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Language and Lexicon

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Istrorumänisch
Goran Filipi

1. Sprache und ihre Sprecher

Die Istrorumänen sind Abkömmlinge von Balkanwalachen, die als Walachen oder auch Morlaken in vielen mittelalterlichen Dokumenten Kroatiens sowie Bosnien und Herzegowinas erwähnt werden (man sollte aber bedenken, dass in historischen Dokumenten diese Bezeichnungen auch fiir andere ethnische Gruppierungen verwendet werden - z. B. fiir die orthodoxe Bevölkerung des dalmatinischen Hinterlands -, sodass nicht jede Erwähnung von Walachen oder Morlaken sofort mit einer rumänischen Ethnie verbunden werden kann). Das erste Mal werden walachische Viehhirten in Istrien im 12. Jh. erwähnt. Die heutigen Istrorumänophonen sind aber wahrscheinlich Abkömmlinge von Walachen, die Ende des 15., Anfang des 16. Jh. aus dem Inneren Dalmatiens, und zwar aus der Gegend um Dinara und den südlichen Velebit, zuerst auf die Insel Krk und dann nach Istrien in die von wiederholten Pest-und Malariaepidemien entvölkerten Gebiete zugewandert sind. Die meisten dieser Zuwanderer waren Kroaten. Es gibt auch eine Theorie über die Autochthonie der istrischen Rumänophonen (Covaz, Maiorescu, Onciul), aber diese Thesen werden heute verworfen. Dass die Zuwanderer tatsächlich aus den angeführten Gegenden gekommen sind, wird durch eine markante Anzahl cakawischer Elemente im Istrorumänischen bezeugt, die es in den autochthonen istrischen cakawischen Idiomen nicht gibt. Diese werden von vielen, vorwiegend rumänischen Autoren ohne nähere Überprüfung oberflächlich Lehnwörtern aus den umliegenden slowenischen Dialekten zugeschrieben. Das geschieht häufig auch mit Cakawismen, die es in den autochthonen istrischen cakawischen Mundarten gibt und die mit slowenischen Wörtern übereinstimmen (z. B. vsrbg „Weide", verugg „Kette", skutf „Topfen, Quark" usw.). Noch im 19. Jh. haben die Rumänophonen den Bereich Dubasnice und Poljica auf der Insel Krk besiedelt (1819 schrieb der Pfarrer Ivan Feretic ein Vaterunser und ein Ave-Maria in dieser Sprache nieder, von S. Pujcariu 1929 veröffentlicht). Heute wird auf Krk kein rumänisches Idiom mit eingeborenem Istrorumänisch mehr gesprochen, es ist irgendwann in der ersten Hälfte des 19. Jh. verschwunden. Spuren davon sind noch in Toponymen sichtbar (z. B. Vrhure = Vrh + -ure rumänische Mehrzahlendung für sächliche Hauptwörter [vrh = Gipfel], Sekara „Roggen") und in einigen Appellativa: z. B. puljic „ptica" (< krkorumän. *pulu [bestätigt nach dem Istrorumänischen] < lat *püllius „junges Tier", REW 6826 - im Standardrumänischen bedeutet pui „Huhn", ein Vogel wird als pasäre bezeichnet), cura, curalo „Sieb". Was Istrien betrifft, waren die Istrorumänen damals weiter verbreitet als heute. Davon zeugen zahlreiche Toponyme (z. B. Katun, Kature, Fecori = PL von fecor „Kind, Knabe, Bursche"), Nachnamen (z. B. Katunaric, Licul, Faraguna < rum. ßrägunä „ohne + Hirtenmantel", Poropat = poro < rum. ßrä, istrorum. flr[a]„ohne", was vor dem 15. Jh. ins Kroatische gekommen ist, als die Slawen das Phonem/noch [91] nicht gekannt und es entweder als p oder als v übernommen haben, + pat „Bett") und Appellativa (z. B. sifpla „Schaf, das noch kein Lamm geboren hat" - aus dem rum. Adjektiv sterp, stearpä„unfruchtbar", vgl. rum. oaie stearpä „unfruchtbares Schaf').

Istrorumänisch, nach der Anzahl der Sprecher der kleinste von vier historischen rumänischen Dialekten, wird heute nur mehr in ca. zehn Dörfern und Ansiedlungen in Istrien gesprochen. Eine grundlegende Einteilung des Istrorumänischen erfolgt in eine Nord- und eine Südgruppe. Die Sprecher der ersten Gruppe leben in der Ortschaft IZejane (istrorum. 2eJ9n), die sich an den Nordhängen der Ucka, nordwestlich von Rijeka, befindet; die Sprecher der zweiten Gruppe finden sich am Nord- und Westrand des Cepicko polje in einigen Orten der Gemeinde Krsan. Das Dorf IZejane hat 102 Häuser (viele davon in sehr schlechtem Zustand und versperrt, d. h. verlassen) und 146 Einwohner, zwanzig davon jünger als zwanzig Jahre. Sie alle verstehen schlechtestenfalls Istrorumänisch, die Mehrzahl von ihnen kann sich problemlos dieses Idioms bedienen (einige Frauen, die aus umliegenden nichtistrorumänischen Gegenden zugeheiratet haben, sprechen es ganz ausgezeichnet). Man muss aber bedenken, dass die Mehrzahl der angeführten Einwohner nicht ständig in Zejane lebt, sondern in den umliegenden Orten und Städten (Opatija, Lovran, Matulji...) und vorwiegend am Wochenende in ihren Heimatort zurückkehrt. Im Ort wurde ein Kultur- und Kunstverein organisiert, es gibt eine renovierte Kirche, aber schon lange kein einziges Wirtshaus mehr. Sei es, wie es sei - die Leute aus Zejane bemühen sich, ihre eigene Tradition zu pflegen, und wenn es keine Absiedlung gäbe, hätten die Istrorumänen gute Aussichten gehabt: Nach den Schätzungen von A. Kovacec gab es zu Beginn der sechziger Jahre noch 450 bis 500 Istrorumänophone; nach der Volkszählung von 1991 lebten dort nur mehr 189 Menschen, was mehr oder weniger der Anzahl der Sprecher gleichkommt. Im Süden sind die Istrorumänophonen über kleinere Dörfer verstreut, und es gibt sogar noch weniger als in IZejane; sie sind nicht traditionsbewusst und haben keinen Kultur- und Kunstverein. Zwar gibt es in Susnjevica ein Wirtshaus, es ist aber meistens leer und hat daher immer öfter geschlossen. Nach unserer Schätzung (man könnte auch Zählung sagen) verwenden in den südlichen Dörfern nur mehr ca. neunzig Leute das Istrorumänische, die Kinder fast überhaupt nicht mehr (nach den Schätzungen von Kovacec gab es zu Anfang der sechziger Jahre noch 800 bis 1000 Sprecher; nach der Volkszählung von 1991 gab es in den Orten, wo heute noch Istrorumänisch gesprochen wird, insgesamt noch 338 Einwohner, was aber im Unterschied zu IZejane nicht mit der Anzahl der Sprecher gleichzusetzen ist, die unserer Beurteilung nach etwas weniger als die Hälfte der oben angeführten Zahl ausmacht). Die meisten Istrorumänophonen gibt es in Nova Vasa (istrorum. Noselo oder Noseld), und zwar an die vierzig, dann in Susnjevica (istrorum. SusAevkf oder SusAevicfi an die dreißig und in Jesenovik (mit den dazugehörigen Siedlungen) (istrorum. Sukodrti) um die zehn. In den anderen Orten kann man, außer in einem Fall, die Sprecher buchstäblich an den Fingern einer Hand abzählen. In Letaj gibt es drei: einen Mann, der dort geboren ist (der Istrorumänisch gut versteht, aber schlecht spricht), und zwei Frauen, von denen die eine das Idiom aus ihrem Heimatort Trkovci mitgebracht hat (einer heute verlassenen Siedlung, die zu Brdo gehört) und die andere es in der Volksschule in Susnjevica gelernt hat. Im Brdo (istrorum. Burda oder Birdo) leben heute noch zwei Leute, beide Istrorumänophone. In Kostrcani (istrorum. Kostircän) sprechen von 18 Einwohnern noch sechs Istrorumänisch (zu denen wir auch einen Mann aus Labin zählen, der in Nova Vasa aufgewachsen ist und es dort in der Kindheit gelernt hat). In Zankovci (istrorum. Zankovci) leben sechs Leute, fünf davon sind Sprecher (einer ist kürzlich aus Dolinscina zugezogen, einer Siedlung, die nach seinem Fortgang nun endgültig verlassen ist). In der Siedlung Miheli gibt es drei Einwohner, die Istrorumänisch sprechen (zwei Männer, die dort geboren sind, und eine Frau, die aus Drazina zugeheiratet hat - in Drazina selbst leben noch sechs Menschen, von denen [92] nureiner noch Istrorumänophone ist). In der Siedlung Draga verwenden noch zwei von vier Bewohnern das Istrorumänische, in Jelavici nur mehr einer von drei. Es wurde bis vor kurzem auch noch in einigen Siedlungen gesprochen: Trkovci, Perasi (istrorum. Peräst), Grobnik (istrorum. Gromnify (der letzte Sprecher verstarb 1998) und Gradinje.

Die Gesamtzahl der Istrorumänophonen übersteigt daher 250 nicht. Dazu kommen noch jene, die in die städtischen Zentren Istriens und des Kvarner abgewandert, und diejenigen, die nach Amerika, Australien und Westeuropa emigriert sind - einigen Untersuchungen zufolge bewahrt die erste Generation der Emigranten das heimische Idiom recht gut. Der Genauigkeit halber muss man noch jene kleinere Zahl von Sprechern dazuzählen, die aus Familien stammen, in denen Cakawisch gesprochen wird, und etliche Zugewanderte (zu den Istrorumänophonen gehört auch ein Albaner) können ebenfalls angeführt werden.

2. Volks- und Sprachbezeichnung

Die Bezeichnungen Istrorumänisch und Istrorumänen sind wissenschaftlichen Ursprungs und werden in der Romanistik schon seit mehr als hundert Jahren verwendet. Die Istrorumänen selbst nennen sich allerdings nicht so. In seiner Historia di Trieste, 1698 erschienen, widmet der italienische Geschichtsschreiber Ireneo della Croce fünfzig Zeilen den öci (in der Quelle Chichi), wie er sie selbst bezeichnet. Della Croce führt zuerst 23 istrorumänische Wörter und Syntagmen mit Übersetzung ins Italienische oder Lateinische an und bemerkt, dass sich diese Menschen selbst als Rumeri bezeichnen. Wenn diese Bemerkung richtig ist, dann haben sich die Istrorumänen im 17. Jh. selbst mit dem Namen Rurrm bezeichnet, was nach den Gesetzmäßigkeiten des Istrorumänischen genau der ethnischen Bezeichnung Rumän und dem aromunischen Amtän entspricht, was vom lateinischen Romanus kommend in der Bildungssprache zu Roman umgeformt worden ist. Es ist nicht klar, wie die Istrorumänen im Laufe von zweihundert Jahren ihre Eigenbezeichnung verlieren konnten und warum dieser Name in keinem einzigen anderen istriotischen Idiom bewahrt worden ist. Bei allen Volkszählungen nach dem Zweiten Weltkrieg haben sich die Istrorumänen gleich wie die anderen Bewohner Istriens bezeichnet. Sie fühlen sich mit dem rumänischen nationalen Korpus nicht eins und bezeichnen sich selbst so wie bei den Volkszählungen, wobei sie die nähere Zugehörigkeit zu dem Ort, in dem sie leben, zum Ausdruck bringen: jtejänci „Leute aus IZejane", Sustievciodet Susrievci „Leute aus Susnjevica", Kostercänci „Leute aus Kostrcani", Novosäni „Leute aus Nova Vasa", Brijäni „Leute aus Brdo". Besonders in Zejane bezeichnen sie sich als Kroaten. Die umliegende Bevölkerung bezeichnet die Istrorumänen als Vlasi oder öci, sie selbst nennen sich allerdings nicht so. Die Istrorumänen bezeichnen ihr Idiom einfach nur mit einem (kroatischen!) Adjektiv nach dem Ort ihrer Herkunft, also etwa „zejanisch" usw., oder mit gemischt kroatisch-rumänischen Syntagmen (cuvintä) po ihejansku, (gang) po susAevsku usw. In den südlichen Dörfern bezeichnen sie ihre Sprache auch (auf Kroatisch) als vläski „Walachisch" bzw. als vtöskf limbf „walachische Sprache" oder po vldsku „aufWala-chisch". In der Literatur wird angeführt, dass die Istrorumänen für den Ausdruck „Istrorumänisch sprechen" auch kroatische Syntagmen gebrauchen, wie z. B. po naski, po näsu, po nase „auf unsere Art". Unseren Untersuchungen zufolge bedeuten Syntagmen dieses Typs im Istrorumänischen schon immer, und gerade heute, so viel wie „Cakawisch". Wir nehmen an, dass das auch früher so gewesen ist, zumindest in den südlichen Dörfern, für die uns Daten vorliegen, denn auf die gleiche Art und Weise verwenden auch Istrorumänen, die vor und nach dem Zweiten Weltkrieg nach Amerika emigriert sind, diese Syntagma. [93]

3. Charakteristika des Istrorumänischen

In Bezug auf die anderen rumänischen Dialekte ist Istrorumänisch dem Dakorumänischen am ähnlichsten, unterscheidet sich aber von allen anderen Dialekten des Rumänischen vor allem durch andere Adstrate: Im Istrorumänischen gibt es keine Turzismen, außer jenen, die aus dem Cakawischen übernommen wurden (z. B. fapu „Sack"), es gibt keine Neogräzismen und auch keine durch den sog. Balkansprachbund begründeten Erscheinungen (das Objekt wird nicht mit einem persönlichen Fürwort wiederholt, die Funktion des Infinitivs hat kein Syntagma da + Präsens, sondern der Infinitiv, immer ohne a, wird wie im Cakawischen verwendet). Die jahrhundertelange Durchdringung mit cakawischen Idiomen ist auch die Ursache für immer häufigere azü^e-Bildungen nach kroatischen Wort- und Lexikmodellen. So wurde die Wortfolge im Istrorumänischen im Laufe der Jahrhunderte dem Cakawischen angeglichen, und zwei neue Wortkategorien wurden entwickelt: ein sächliches Geschlecht slawischen Typs (gebildet mithilfe des Morphems -o), das das rumänische Neutrum verdrängt, und der Verbalaspekt. Istrorumänisch ist somit zum einzigen romanischen Idiom geworden, das vollendete, unvollendete und wiederholende Verben unterscheidet, die mithilfe cakawischer Morpheme gebildet werden. Unter dem Einfluss des Cakawischen ist in allen Orten, in denen Istrorumänisch gesprochen wird, außer in Susnjevica und in Nova Vasa, die Opposition bestimmter vs. unbestimmter Artikel für viele weibliche Substantiva auf-f verloren gegangen, indem dieser etwas unpraktische Laut durch ein -a ersetzt worden ist. Dadurch wurden die Formen für den bestimmten und unbestimmten Artikel einander angeglichen (z. B. o käpre „eine Ziege" - käpra „die Ziege" > o käpra - käpra). Es gibt allerdings auch gemeinsame Elemente zwischen dem Istrorumänischen und anderen rumänischen Dialekten. Die alte Lexik deckt sich in allen rumänischen Dialekten, im Istrorumänischen ist wie in allen anderen rumänischen Dialekten die Form des Dativs gleich dem Genitiv, der bestimmte Artikel wird postponiert, die Betonung fallt nie auf den Artikel und wird in den angeführten Formen, solange es keine lautlichen Veränderungen gibt, nie verändert. Auch kennt es den Rotazismus des intervokalen /, das in ein r übergeht, während der Rotazismus n > r (z. B. bur „gut" - rum. bun; mire „mir" - rum. mine; psre „Brot" - rum. päine) auf synchroner Ebene das Istrorumänisch von den anderen rumänischen Dialekten unterscheidet, während er es auf diachroner Ebene in Verbindung zu den Mundarten in Maramures stellt. Einige rumänische Linguisten (Popovici, Caragiu-Mariojeanu) glauben, dass sich das Istrorumänisch nördlich der Donau formiert hat, wobei es für Popovici ein nach Istrien übertragener dakorumänischer Dialekt ist.

Wie bereits erwähnt, erfolgt eine grundsätzliche Unterteilung des Istrorumänischen in eine Nord- und eine Südgruppe. Zwischen diesen beiden Gruppen besteht schon seit langem keinerlei Verbindung mehr (dem Gelände nach zu urteilen hat es auch schon bei der Zuwanderung keine gegeben), sodass sich beide völlig unabhängig voneinander entwickelt haben.

Die Sprache von Zejane ist konservativer als die südlichen Mundarten: Sie bewahrt mehr alte rumänische Wörter (z. B. cuvintä „sprechen" in Zejane vs. gang im Süden; ancelefce „verstehen" vs. razumi oiet kapi; oste „Krieg" vs. vojskf oder gverf), und die synthetische Deklination mit zwei Fällen wurde viel besser bewahrt als im Süden. In den südlichen Dörfern wurden auch noch das Imperfekt (jo lukräjam „ich pflegte zu arbeiten") und die Heterogena (z. B. ur hrust „Maikäfer, Melolontha melolontha" - doj hrusture in Zejane vs. ur hrust - do hrusture in den südlichen Dörfern) bewahrt, wobei die südlichen Dörfer konservativer sind.

Die südlichen Dörfer sind für Innovationen offener als Zejane. Der Unterschied bei der Lehnwortlexik ist bedeutend, da im Bereich von Zejane und am Cepicko polje zwei verschiedene Typen von Mundarten vorliegen: z. B. tisuc (tisucu) „tausend" in Zejane vs. milär im Süden. [94]

Auch die südlichen Mundarten unterscheiden sich voneinander, sowohl bezüglich Lexik (z. B. äze in Brdo vs. ästezeln Susnjevica) als auch bei der Lautung (z. B. mulärgin Susnjevica vs. muläreln Brdo). Bis vor nicht allzu langer Zeit haben sich Susnjevica und ein kleinerer Teil von Nova Vasa von den anderen Orten noch dadurch unterschieden, dass die Laute c, z, s nicht von c, &, /unterschieden worden sind (es wurden hauptsächlich Zischlaute realisiert): Es gibt heute nur mehr einen Sprecher, der in seiner Aussprache nur Zischlaute verwendet, und das nur äußerst selten, wobei er hauptsächlich die Opposition mit etwas weicheren Geräuschlauten realisiert, außer c vs. c, also c, &, /vs. c, 4 s, einige dieser Phoneme realisiert er gerade in der angeführten Opposition, während die übrigen Sprecher in Susnjevica heute konsequent Geräuschlaute von Zischlauten unterscheiden.

Heute gibt es in allen Orten, außer in Susnjevica und Nova Vasa, wo man konsequent bewahrt, die augenfällige Tendenz, dass das finale, offene -(in weiblichen Substantiven in ein -a übergeht, aber, wie bereits gesagt, es wird die Opposition zwischen den Artikeln angestrebt: o cäs( „ein Haus" - do cäs( „zwei Häuser" in Susnjevica und Nova Vasa, o käsa - do käse in den übrigen Orten. In der überwiegenden Anzahl der alten Substantiva, und zwar bei jenen, die sich stark von istrovenezianischen und italienischen Formen unterscheiden, geht das offene % in ein gewöhnliches e über, die Opposition zwischen Ein- und Mehrzahl ist aber erhalten geblieben, weil diese Substantiva keinen Plural auf -e haben (z. B. in IZejane o muläre „eine Frau" - do mtder „zwei Frauen"). In allen istrorumänischen Dialekten ist die Tendenz zur Vereinheitlichung der Formen für Ein- und Mehrzahl der männlichen Substantiva deutlich zu erkennen (z. B. ur skäkovac „eine Heuschrecke" - doj skäkomc „zwei Heuschrecken"), bei der überwiegenden Anzahl der alten Substantiva bleibt allerdings der ursprüngliche Plural erhalten (z. B. urpork „ein Schwein" - doj porc„xwä Schweine").

4. Der soziolinguistische Status des Istrorumänischen

Die istrorumänische Sprache hat sich seit der Zeit der Zuwanderung ohne jegliche Abstützung auf Institutionen entwickelt. Die jahrhundertelange istrorumänisch-kroatische Zweisprachigkeit, der Mangel an einer ursprünglichen Folklore bzw. fehlendes Gefühl einer Zugehörigkeit zur rumänischen Ethnie wie auch das konstante Absinken der Anzahl der Sprecher waren Grund dafür, dass sich das sprachliche Bild des Istrorumänischen schon nach zwei oder drei Jahrzehnten stark verändert hat. Wie die Dinge heute stehen, wird sich dieses Intervall der Veränderung immer weiter verkürzen, bis das Istrorumänisch völlig außer Gebrauch gekommen sein wird. Es ist anzunehmen, dass dieser Prozess in den Überseeländern länger dauern wird als in der Heimat.

5. Literatur

  • Caragiu-Mario{eanu M. 1975: Compendiu de dialectologie romänä. Bucurejti.
  • Caragiu-Mariofeanu M., Giosu §., Ionescu-Ruxändoiu L, Tudoran R. 1997: Dialectologie romänä. Bucurejti.
  • Filipi G. 1995: Istrska ornitonimija: pticka imena v istroromunskih govorih. Annales 6, 77-88.
  • Filipi G. 2000: Entomonimi nell'istrorumeno moderno. Processi di convergenza e dijßrenzützione neue lingue dell'Europa medievale e modema. Udine, 207-232.
  • Kovacec A. 1971: Descrierea istroromänei actuale. Bucure§ti.
  • KovacecA. 1998: Istrorumunjsko-hrvatski rjecnik s gramatikom i tekstovima. Bucurejti.
  • Maiorescu I. 1900: Intinerar in Istria si Vocabular istriano-romän. Bucurejti.
  • PopoviciJ. 1909: Dialecte romäne. DC: Dialectele romäne din Istria. 1: Texte siglosar; 2: Rejerinfele sodale, gramaticä. Halle a.d. Saale. [95]
  • Puscariu S. 1926-1929: Studü istroromäne, in colaborare cu Bartoli M., Belulovici A., Byhan A. 2: Introducere, gramaticä, caracterizarea diakctului istroromän; 3: BibUograße criticä, listek lui BartoU, texte imdite, note, glosar. Bucuresti. Särbu R., Fraäfilä V 1998: Dialectulistroromän. Timisoara.
  • Aus dem Kroatischen übersetzt von Michael Pucher [96]

Source:

  • http://www.uni-klu.ac.at/eeo/Istrorumaenisch.pdf

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Created: Monday, July 23, 2007; Last updated:  Wednesday August 04, 2010
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